Gemeinde Eichenzell

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Sensationsfund im Heimatmuseum


Im Heimatmuseum Eichenzell gibt es ein fast 500 Jahre altes Buch

Es ist ein kleiner Sensationsfund: Im Heimatmuseum Eichenzell gibt es ein fast 500 Jahre altes Gerichtsbuch aus dem Raum Wächtersbach. Wie es dort hingelangt ist, das ist ein Rätsel.




Adolf Penzel präsentiert das Aufenauer Gerichtsbuch aus dem 16. Jahrhundert. Das fast 500 Jahre alte Werk ist im Heimatmuseum Eichenzell ausgestellt.

Foto: Sebastian Kircher / Fuldaer Zeitung

Zum Lutherjahr 2017, in dem sich die Reformation zum 500. Mal jährt, hat sich Adolf Penzel etwas Besonderes einfallen lassen: Der Leiter des Heimatmuseums Eichenzell hat eine Luther-Ausstellung konzipiert.

Um das 16. Jahrhundert lebendig werden zu lassen, wollte Penzel einen Gegenstand aus der Zeit ausstellen. "Ich habe mich erinnert, dass wir im Archiv noch ein altes Buch liegen hatten", sagt der 81-Jährige. Dabei handelt es sich um ein Gerichtsbuch aus Aufenau und Neudorf, 600 Seiten dick, ins Schweinsleder gebunden und erstaunlich gut erhalten. Der älteste Eintrag datiert auf 1544. In dem Buch sind Gerichtsurteile aus Aufenau aufgezeichnet, das heute zu Wächtersbach im Main-Kinzig-Kreis gehört. Wer zum Beispiel nicht zur Kirche ging, musste damals drei Schilling Strafe zahlen. Bei Erbstreitigkeiten gab es sogar 20 Schilling Bußgeld.

Fast 100 Jahre lang - bis 1641 - ist das Buch geführt worden. Wie das Buch nach Eichenzell gelangt ist, das ist unklar.

"Artur Spiegel, der Gründer des Heimatmuseums, hätte es bestimmt gewusst. Er ist aber leider schon verstorben", sagt Penzel, der das Museum seit 1999 leitet. Als gesichert gilt, dass das fast 500 Jahre alte Werk bei der Sanierung des Eichenzellers Schlösschens in den 1980er Jahren aufgetaucht ist und dann dem Museum überlassen wurde.

Es gibt verschiedene Theorien, wie das Buch ins Schlösschen kam. "Im 18. Jahrhundert kamen die Fuldaer Fürstäbte in den Besitz des Gebäudes und nutzten es als Sommerresidenz, bis das Schloss Fasanerie fertiggestellt wurde", sagt Penzel. Da die Fuldaer Verbindungen nach Wächtersbach hatten, könnte das die Herkunft des Buches erklären. Als wahrscheinlicher gilt jedoch, dass Sophia von Hutten das Bindeglied zwischen Eichenzell und Wächtersbach ist. "Sophia von Hutten war die zweite Ehefrau von Hans von Ebersberg, der 1537 oder 1539 gestorben ist", erklärt Andrea Frohnapfel, die eine Chronik über Rönshausen verfasst und sich mit den Adelsgeschlechtern der Region beschäftigt hat. Die Ebersberger waren im Mittelalter die Herren von Eichenzell und haben auch das Schlösschen gebaut. "Nach dem Tod von Hans von Ebersberg heiratete Sophia von Hutten einen Georg Faulhaber aus Wächtersbach", führt Frohnapfel aus. Das Aufenauer Buch stammt aus dieser Zeit. "Es könnte sein, dass es als Nachlass nach Eichenzell gekommen ist", sagt Frohnapfel.

Klar ist: Was die Eichenzeller da haben, das ist ein kleiner Schatz. "Das ist etwas ganz Besonderes, ein so gut erhaltenes Dokument aus dieser Zeit", sagt der Leiter des Kulturamtes Fulda, Dr. Thomas Heiler. Er spricht sich dafür aus, dass das Buch ins Staatsarchiv nach Marburg oder Darmstadt kommt: "Da wäre es dann der Öffentlichkeit und damit auch der Forschung zugänglich." Adolf Penzel will das Buch digitalisieren lassen, damit es übersetzt werden kann. "Das ist altes Deutsch. Einzelne Wörter versteht man, aber nicht alles", erklärt er. Zudem habe sich auch das Kulturamt Wächtersbach gemeldet, das das Buch zurückhaben wolle. "Das bleibt jetzt aber erst einmal hier in Eichenzell", sagt Penzel.

Die Luther-Ausstellung mit dem Buch aus dem 16. Jahrhundert ist noch bis Ende des Jahres im Heimatmuseum zu sehen.










Das Heimatmuseum Eichenzell in der Munkenstraße 1 hat

donnerstags von 16.00 bis 18.00 Uhr geöffnet
.

Gruppen und Schulklassen können bei Adolf Penzel

unter Telefon (0 66 59) 13 41 einen gesonderten Termin

zur Besichtigung und Führung vereinbaren.

Text: Sebastian Kircher / Fuldaer Zeitung




 


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